Die RAVENSTEIN - Klasse des Norddeutschen Lloyd

MS REIFENSTEIN Norddeutscher Lloyd, Bremen, hier in Australien liegend
Mitte 1955 war die erste Phase des Aufbaus einer neuen Flotte von Frachtschiffen des Norddeutschen Lloyd, Bremen so gut wie abgeschlossen. Die Flotte bestand damit aus 27 Einheiten von fünf verschiedenen Typen. Es zählten dazu: die sechs Schiffe der "Rheinstein-Klasse", drei Schiffe der "Brandenstein-Klasse", sieben Schiffe der "Weserstein-Klasse", drei Kombischiffe der "Schwabenstein-Klasse". Die beiden ehemaligen Lloyd Schiffe Porta und Eisenach, die zurückgekauft waren und als Traunstein und Trierstein wieder in Fahrt kamen. Ferner die zum Frachter zurückgebaute Nabob, die als US Einheitsschiff C 3-S-A-1 vom Stapel lief, dann aber zum Geleitflugzeugträger umgebaut wurde. Nicht zu vergessen die beiden Fruchtschiffe Liebenstein und Lichtenstein sowie die Dreischraubenschiffe Ravenstein, Reifenstein und Rothenstein, die 1955 aus Belgien angekauft wurden.

MS ROTHENSTEIN Norddeutscher Lloyd, Bremen
auslaufend Fremantle WA am 12. Dezember 1968
Anfang der 40er Jahre, nachdem in Europa schon der Zweite Weltkrieg tobte, bestellte der Norddeutsche Lloyd bei der belgischen Werft J. Cockerill in Hoboken, nahe Antwerpen, drei 11000 tdw Frachtschiffe. Mit der Bau Nr. 695 COBURG, Bau Nr. 696 MARBURG und Bau Nr. 697 REGENSBURG. Am 8. Dezember 1943 läuft die COBURG vom Stapel, wird aber von der Kriegsmarine beschlagnahmt, um sie als Versorger fertigstellen zu lassen. Um den Bau zu forcieren hatte man die Arbeitskräfte von der REGENSBURG zu Gunsten der COBURG abgezogen. Am 17. Mai 1944 läuft die MARBURG vom Stapel, wird aber am 4. September von den Deutschen bei ihrem Rückzug auf der Werft versenkt. Auch die unfertige COBURG entgeht ihrem Schicksal nicht und wird am gleichen Tag versenkt.

MS ROTHENSTEIN Norddeutscher Lloyd, Bremen
legt hier gerade vom Victoria Quai in Fremantle WA am 12. Dezember 1968 ab
Lediglich die REGENSBURG liegt noch auf ihrem Helgen und wird sofort von den Belgiern beschlagnahmt. Noch im September 1944 wird die Marburg gehoben und für belgische Rechnung weitergebaut. Auch die COBURG wird noch im Dezember 1944 leergepumpt und ebenfalls weitergebaut. Am 14. Februar 1946 läuft nun auch das als REGENSBURG geplante Schiff - allerdings ohne Namen - vom Stapel. Am 23. April 1946 werden MS STAVELOT ex COBURG und am 7. September 1946 MS HOUFFALIZE ex MARBURG an die Cie. Maritime Belge, Antwerpen, abgeliefert. Erst am 27. Juli 1947 folgt die Ablieferung von MS BASTOGNE ex REGENSBURG ebenfalls an die gleiche Reederei. Im Laufe des Jahres 1955 nutzt der NDL die Möglichkeit, seine früheren Schiffe anzukaufen.

MS REIFENSTEIN Norddeutscher Lloyd, Bremen
liegt hier am 26. Februar 1969 am Victoria Quai in Fremantle WA
Aus BASTOGNE wird am 25. März 1955 MS RAVENSTEIN. Aus STAVELOT am 11. Mai 1955 MS ROTHENSTEIN und als Abschluss der Transaktion wird am 19. Juli 1955 aus HOUFFALIZE nun MS REIFENSTEIN. Die Schiffe gehen in den Ostasien-Dienst. Von Juni bis Dezember 1961 erhalten alle drei Schiffe beim Bremer Vulkan jeweils drei neue 5-Zylinder-Diesel Maschinen Typ MAN-Vulkan von 12000 PSe. MS RAVENSTEIN erhielt als einziges Schiff dieser Serie einen verlängerten Schornstein. Wie TS NABOB so fungierte auch MS ROTHENSTEIN als sogenanntes Ausbildungsschiff und bot Platz für 18 Kadetten. Erwähnenswert ist auch der ungewöhliche Dreischraubenantrieb dieser Schiffe. Mit der Fusion von HAPAG und NDL zu HAPAG-LLOYD, am 1. September 1970, gingen auch diese drei Schiffe in den Besitz der neuen Reederei über.
RAVENSTEIN und REIFENSTEIN gehen in den Australien-Dienst, ROTHENSTEIN in den Westküste-Südamerika-Dienst. Allerdings schon am 11. August 1971 werden alle drei Schiffe an die Coustoula Shipping Co., Famagusta verkauft. Umbenannt in RAVENS, ROTHENS und REIFENS. MS RAVENS geht 1974 am Olistim Navigation Co., Limassol, am 21. Juni 1978 erreicht das Schiff Karatschi zum Abwracken. MS Rothens geht 1972 an Tatjana Shipping Co., Famagusta und erreicht am 16. März 1979 Kaohsiung zum Abwracken. MS REIFENS geht 1972 an Elektra Shipping Co., Famagusta und erreicht am 22. Februar 1978 Kaohsiung zum Abwracken.
Text: Christian Biedekarken
Technische Daten:
MS RAVENSTEIN war wie folgt vermessen: L.ü.A: 166,50m Breite: 19,66m BRT: 4585 NRT: 6748 tdw: 11030 Besatzung: 53 Passagiere: 5 Antrieb: drei 6-Zyl.-Zweitaktdiesel, Cockerill, 12000 PSe, 3 Schrauben 17,5kn Ab 1961 drei neue 5 Zylinder-Diesel Maschinen Typ MAN-Vulkan von 12000 PSe
Quellen:
Abert, H.-J.:"Die Deutsche Handels-Marine 1870-2000" Eigenverlag
Kludas, Arnold "Die Die Seeschiffe des Norddeutschen Lloyd" KoehlersVerlagsgesellschaft mbH, Herford
Kludas, Arnold "Hapag-lloyd Die ersten 25 Jahre" Verlag Gert Uwe Detlefsen